21.11.2002 V1.1
Mensch, Gesellschaft und Macht

Teil 1: Vorüberlegungen Seite 4

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2. Teil: Hierarchien und Netzwerke
3. Teil: weitere Zitate rund um die Themen

Inhalt:

9.Männer gegen Frauen
10. Zusammenfassung und Machtkomponenten

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9 Männer gegen Frauen

"Gibt es vielleicht eine "natürliche" Feindschaft oder Fremdheit zwischen Mann und Frau? In der Beschreibung des Schöpfungsmythos der Ureinwohner Australiens gibt es eine Geschichte, die erzählt, wie die Männer den Frauen die magischen Gerätschaften stahlen und die Frauen viel zu sehr mit ihren Alltagssorgen beschäftigt waren, um sich darum zu kümmern. Besonders eindrucksvoll ist das Zitat eines solchen Eingeborenen zu dieser Geschichte: "Wir haben den Frauen alles gestohlen, was ihnen gehört hat ... Wir Männer haben nichts wirklich Besonderes zu vollbringen, außer zu kopulieren ... Alles gehört den Schwestern, das Baby, das Blut, die Schreie, ihre Tänze, dies alles betrifft die Frauen ... Wir mußten sie überlisten ... denn am Anfang hatten wir nichts ... Wir haben den Frauen diese Dinge weggenommen."

a. Vorwort

Nach frühgeschichtlichen Funden geht man heute davon aus, dass die "Männerherrschaft" nichts ist, was dem Menschen naturgegeben ist. Auch unsere eigentlich nächsten Verwandten, im Tierreich, die nicht die Schimpansen, sondern eine schimpansenähnliche Art sind, die Bonobos, leben in einer "matriarchalen" Gesellschaftsform. mehr Man vermutet, dass damals der Zusammenhang zwischen Sex und Gebären noch nicht erkannt worden war und die Frau zwar nicht über den Mann herrschte, aber eine besonders angesehene Stellung in der Gesellschaft genoss, wegen ihrer unerklärlichen Gebärfähigkeit. Aber auch, wenn der Zusammenhang bekannt war, erscheint es nicht ungewöhnlich, Frauen wegen ihrer Gebärfähigkeit und Fähigkeit zum Stillen als Lebensspenderinnen zu achten (trifft auch auf noch heute existierende Matriarchate zu). Es kommt darauf an, welche Werte in einer Gesellschaft vorrangig sind. mehr (dazu auch mehr im Kapitel : Hierarchien versus kooperative Netzwerke/These der Entstehung von Konkurrenzgesellschaften) Da Männer und Frauen in ihrer Genverbreitung unterschiedliche Ziele verfolgen, aber auch, weil es grundsätzlich Vorteile bringt, über eine andere Gruppe zu herrschen, der man dann die unattraktiveren Rollen und Aufgaben in der Arbeitsteilung zuweisen kann, wird der Geschlechterkampf zwischen Männern und Frauen verursacht. (Wenn die traditionelle Rolle der Frau in der traditionellen Arbeitsteilung so attraktiv ist, wieso reißen sich die Männer, jetzt wo sie die Möglichkeit haben, nicht darum, sie zu übernehmen? (Hausarbeit, Erziehung u.s.w.) Scheint also so, dass die Männer mit ihrer Weigerung in traditionelle Frauenbereiche vorzudringen zugeben, dass diese den minderwertigeren Teil der Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen darstellen!)

b. Geschlechterkampf

Da die Menschenfrau, evolutionär sinnvoll, die "female choice" hat, (wie auch bei vielen Tieren) wird der einzelne Mann, der auf ihre Gunst angewiesen ist, in der Erreichung seines männlichen Prinzips, nämlich so viele Nachkommen wie möglich zu zeugen (Quantität), eingeschränkt. Er produziert sich vor der Frau, um seine Qualitäten zu unterstreichen, wobei ein cooles Auftreten oder ein schickes Auto schon wirken kann. Zwei Männer prügeln sich um die Gunst der Frau, wobei der Stärkere gewinnt. Das könnte ihr imponieren. Wenn der Kampf nicht zum Tod des Schwächeren geführt hat, könnte sie sich aber auch für den Verlierer entscheiden, weil er andere Qualitäten hat, die sie vielleicht bevorzugt, sodass der Kampf völlig umsonst war. Außerdem hat der Mann immer die Ungewissheit, dass sie fremd gegangen sein könnte und er sich um Nachkommen kümmert, die gar nicht seine Gene tragen. Feststellbar ist es erst, seit den Gentests. (Hat sein Sohn nicht die gleiche Nase, wie der Installateur, der vor zwei Jahren immer zu Hausbesuchen kam?)
Damit der Mann diese unsichere "Bittstellerposition" verhindern kann, Sicherheit über seine Nachkommen hat und evolutionär betrachtet, möglichst ungehindert der quantitativen Durchsetzung seiner eigenen Gene nachgehen kann, versucht er, der Frau die "female choice" zu nehmen und sie unter seine Kontrolle zu bringen und zu halten. Nun hat er den Spieß umgekehrt. Er trifft die Wahl, indem er über die Frau bestimmt und benutzt die Frauen als eine Art Fortpflanzungsressource, über die er frei verfügen kann. Ebenfalls hat er nun die oberste Kontrolle über seinen Nachwuchs (und der Frau) und so den entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der Kinder. So haben früher in der Regel die Väter über beruflichen Werdegang und Heiratskandidat entschieden und hatten, auch wenn die Mutter mehr Zeit mit den Kindern verbringt und meist eine innigere Bindung zu ihnen hat, die oberste Entscheidungsgewalt über das Werden der Kinder und die Regeln, in denen sie aufwachsen. Gleichsam kann er der Frau, wenn er die Macht hat, die unliebsameren und mit geringerem gesellschaftlichem Status einhergehenden Aufgaben in der Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen zuweisen.

Die Kontrolle der Frau geschieht über Zwangsverheiratung, Vergewaltigung, aber auch Frauenhandel und Prostitution, wo der Mann sich das gegen Geld nehmen kann, was er freiwillig nicht bekommt. Es geschieht durch In-Besitz-Nahme der Frau (die völlig verschleierten Frauen der Taliban mussten gar ihre Fenster verhüllen, durften nicht ohne männliche Begleitung das Haus verlassen, nicht laut lachen und keine geräuschvollen Schuhe tragen, denn das könnte auf fremde Männer erregend wirken), Keuschheitsgürtel und besonders wirksam die Erziehung der Frau zur Sittlichkeit und Frigidität, damit sie nicht auf die Idee kommt, ihre eigene sexuellen Lust auszuleben. Der Jungfrauenkult, der in viele Religionen Eingang gefunden hat, dürfte hier auch seinen Ursprung haben. Zeitweise galten Frauen als Wesen zwischen Mensch und Tier, die von Gott oder der Natur angeblich dazu bestimmt waren, dem Mann als Brutkasten und sexuelles Vergnügungsobjekt zu dienen, die kaum eigene Rechte hatten und beim Sex nicht einmal eigene Lust empfinden durften, oder ihr, aufgrund einer angeblich besonders hohen Triebgesteuertheit, das Recht auf eigene Lust zum Zwecke ihrer "notwendigen" Kontrolle versagt wurde. Über die negativen psychischen Folgen von sexueller Unterdrückung durch regiede Sexualmoral, wurde bereits berichtet. Gerade bei Männern führt sie dazu, dass Sex zum Machtmittel wird und zum Ausdruck von Gewalt, anstelle von Zuneigung mehr (mehr zum Thema im Kapitel Hierarchien versus kooperative Netzwerke/Dualismus)
Die Frau wird existenziell vom Mann abhängig, indem ihr Bildung und die Ausübung einer eigenen Erwerbstätigkeit untersagt wird mit der längst widerlegten Begründung, dass ihre Fähigkeiten dafür nicht ausreichen und sie ausschließlich zur Brutpflege und Hausarbeit taugt.

"Noch in den Dreißigerjahren unseres Jahrhunderts glaubten die Bellonesen auf den Salomoninseln, dass die einzige Funktion des Geschlechtsverkehrs das Vergnügen sei, und auch australische Ureinwohner kannten bis unlängst noch nicht den Zusammenhang von Kopulation und Zeugung. Für sie war eine Frau einfach ein Wesen, das während einer langen Zeit ihres Lebens in gewissen Abständen Kinder gebärt.
Dass Mütter unter solchen Voraussetzungen eine herausragende Rolle spielen, ist leicht einsichtig. Sie schaffen menschliches Leben, sind fruchtbar wie die Natur. Diese unverstandene Fruchtbarkeit gebot Ehrfurcht, Verehrung. Die gebärfähige Frau und nicht der jagende Mann bildete den Mittelpunkt frühmenschlicher Gesellschaften, ihrer Kulturen.
Umso erschütternder muss auf den Mann die aus der Naturbeobachtung gewonnene Ahnung gewirkt haben, dass er an der Entstehung eines Kindes nicht unbeteiligt ist. Als Vater hatte er plötzlich nicht nur ein Recht an seinem Kind, sondern einen Nachfolger und - als die Entstehung von Eigentum die Zukunft über die eigene Lebenserwartung hinaus verlängerte - auch einen Erben.
Erst das Wissen um die Folgen sexuellen Vergnügens vollendete die Vertreibung aus dem Paradies, dem Ort der Unschuld. Was vorher nur Lust war, wurde zu einem sozialen Akt mit Folgen für Frau und Mann: Die Privatisierung sexueller Verhältnisse zwecks Gewährleistung einer Abstammungsgarantie führte zur Monopolisierung der Frau (und damit zu ihrer Entsexualisierung in der Öffentlichkeit). Die dadurch hervorgerufene Reduzierung des Frauenangebotes aber förderte nicht nur die Entwicklung masturbatorischer…Techniken, sondern führte auch zur Entstehung der Prostitution, dem keineswegs ältesten Gewerbe, gewiss jedoch die erste Form einer Verdinglichung (weiblicher) Menschen.

Wir wissen nicht, wann und wie sich diese ebenso gewaltige wie gewalttätige Veränderung im Verhältnis der Geschlechter ereignet hat, wir kennen nur ihre Folgen, die Entstehung von Hochkulturen mit ihrem schrecklichen Frauenhass. 5000 Jahre, so schätzt man, dauerte die Unterwerfung der Frau. Spuren dieses Kampfes, der mit der Entstehung städtischen Lebens um ca. 7000 v.Chr. entschieden gewesen sein dürfte, finden sich noch Jahrtausende später. Herodot berichtete seinen staunenden Zuhörern, dass in Ägypten, wo alles anders sei als im (bereits männerrechtlich)zivilisierten Griechenland, die Frauen stehend und die Männer sitzend urinieren. Noch um 2400 v. Chr. konnte eine Ägypterin einem heiratsfähigen Jüngling einen gar nicht untertänigen Heiratsantrag machen: "Mein schöner Freund, es ist mein größter Wunsch, als Dein Weib die Herrin all Deiner Besitztümer zu werden." Alte ägyptische Eheverträge bestätigen das Recht der Frau, ihren Mann zu verstoßen , und in den 19 Liedern der sogenannten Londoner Handschrift (1400 v. Chr.) nennen 15 die Frau als Liebeswerberin des Mannes, nur viermal führt der Mann das Wort. Ägypterinnen praktizierten bereits Empfängnisverhütung....Eine der lächerlichsten Übergangserscheinungen war das Männerkindbett, Herodot und andere Griechen beschrieben diesen absurden Versuch, weibliche Fruchtbarkeit zu imitieren, sich auch noch die Last des Gebärens anzueignen: Wenn dieFrau entbindet, legt sich der Mann schluchzend ins Bett, windet sich in eingebildeten Wehen, stöhnt, lässt sich pflegen und gilt - wie die Gebärende - bis nach dem ersten Bad als unrein. Sogar die Geschichte der Götter wurde um Männergeburten ergänzt: Hesiod berichtete von der Geburt der Athene aus dem Kopf des Zeus. Und nach späterer Überlieferung war Zeus sogar ein zweites Mal schwanger. Als ihn die thebanische Königstochter Semele, der er - wie üblich inkognito - ein Kind gemacht hatte, zwang, ihr seine wahre Identität zu enthüllen, tötete er sie, entnahm ihrem Leib den sechs Monate alten Embryo und pflanzte ihn in seinen Oberschenkel ein. Nach drei Monaten gebar er Dionysos.….Als nun der Mann triumphierte, beraubte er die Frau ihrer sexuellen Lust, zumal die Vielweiberei nur ohne Befriedigungserwartung der Frauen ein Vergnügen ist. Die Frau, ursprünglich Gespielin und Gebärerin, wurde zum Lustobjekt und Reproduktionsmittel des Mannes denaturiert.....mehr

(Quelle Karl Pawek, http://www.geschichte-der-sexualitaet.de/inhalt.htm)

"Die Kunst einer Prostituierten liegt vor allem darin, den Widerspruch zu verbergen, den das Prostitutionsgeschehen mit sich bringt. Einerseits ist die Sexarbeit ein knallhartes Geschäft, andererseits erhofft sich der Kunde echte Leidenschaft. Eine professionelle Prostituierte kann dem Freier durch Einfühlungsvermögen und schauspielerische Fähigkeiten die Illusion einer persönlichen Beziehung schaffen. Nach Abschluss des Kaufvertrages beginnt sozusagen die 'Vorstellung', bei der dem Kunden scheinbar wahre Zuneigung entgegengebracht wird. Gleichzeitig bleibt der Sexarbeiterin immer bewusst, dass sie bei ihrer Arbeit mit dem Kunden in eine Rolle schlüpft; sie kann sich so trotz des engen Kundenkontaktes ihre emotionale Unabhängigkeit bewahren. Je professioneller eine Frau arbeitet, desto größer ist ihre Autonomie, und die Belastung durch die Sexarbeit ist geringer. Dies ist vor allem für Prostituierte wichtig, die über längere Zeit in ihrem Beruf arbeiten. Er kann gerne über seine Probleme oder sein Privatleben sprechen; die Sexarbeiterin aber hält sich mit Persönlichem zurück, oder sie erzählt ihm eine erfundene Geschichte. Die Distanz zum Kunden verstärkt sich durch die Verkleidung, in der viele Prostituierte schon wegen ihres Doppellebens arbeiten. Läßt sich die Sexarbeiterin unter einem anderen Namen ansprechen, erfährt der Kunde noch weniger über ihre Person. Damit der Kunde trotz der Trennung von Sex und Gefühlsleben den Eindruck gewinnt, daß die Prostituierte sich ihm voll und ganz widmet, setzt sie, wie bereits erwähnt, ihre schauspielerischen Fähigkeiten geschickt ein und täuscht beispielsweise einen Orgasmus vor. Durch das Rollenspiel kann sie so einerseits ihre Gefühle aus dem Prostitutionsgeschehen fern halten und andererseits trotzdem den Wunsch des Kunden nach Nähe erfüllen oder ihn glauben machen, sie hätte Freude an den Aktivitäten mit ihm."
(Quelle Martina Schuster, http://parapluie.de/archiv/haut/prostitution/)

"Aufgrund neuer Datierungsmethoden weiß man aber heute, dass die Männerherrschaft nicht mit dem Übergang von der Jäger- und Sammlergesellschaft zu Ackerbau- und Viehzuchtbetreibern begann, sondern erst viel später, im Laufe der sich über Jahrtausende hinziehenden Infiltration der Hirtenvölker in den fruchtbaren Gegenden, in denen der Ackerbau bereits betrieben wurde. In umherziehenden Völkern müssen die körperlich stärkeren Männer die Vorhut übernehmen, vor allem, wenn das Volk darauf angewiesen ist, die fruchtbaren Gründe anderer Völker zu erobern. Dies gibt den Männern eine Vormachtstellung. Der Mittelmeerraum war von einer ganzen Serie gewaltiger Vulkanausbrüche, Erdbeben und Springfluten heimgesucht. Die dadurch geschwächte agrarische Bevölkerung konnte von den nachfolgenden Invasionswellen der "Kurganvölker" leicht überrannt und erobert werden. Ebenso wie die Indoeuropäer sind sie ein kriegerisches, von einer Krieger- und Priesterkaste (dem levitischen Stamm des Moses) beherrschtes Volk gewesen, brachten einen aggressiven Kriegs- und Berggott mit sich und den Völkern in den von ihnen eroberten Gebieten haben sie im Laufe der Zeit ihre Ideologie und ihren Lebensstil aufoktroyiert. Beide Eroberer wiesen ähnliche gesellschaftliche Strukturen auf: ein soziales System, in dem Männerherrschaft, Männergewalt und eine hierarchische und autoritäre Organisation dominierten. Materieller Wohlstand war bei ihnen nicht durch die Entwicklung neuer Produktionstechnologien, sondern durch effektivere Zerstörungstechnologien geschaffen worden. Die Höhlenzeichnungen aus dieser Zeit belegten, dass nun das Schwert als Symbol für die Macht der Kriegsgötter angebetet wurde. Die Anfänge der Sklaverei standen in enger Verbindung mit jenen bewaffneten Invasionen. Frauen gehörten ebenso zur Beute wie Schafe, Rinder und Esel, sodass die weibliche Bevölkerung oft aus unterschiedlichen Völkern stammte. Die Frauen sind auf einen Status der Produktion und Reproduktion reduziert worden, wobei Männer die Kontrolle ausübten.....mehr

(Quelle unbekannt)

"Der Einfluss auf die weibliche Sexualität - im Sinne ihrer Unterdrückung -wird von den BefürworterInnen als durchaus gewünschte und positive Auswirkung der Operation angesehen. Gerade in islamischen Gesellschaften herrscht die Ansicht, der weibliche Sexualtrieb sei um ein vielfaches stärker als der männliche, mit destruktiven Folgen; man tut der Frau also einen Gefallen, wenn man sie von diesem Übel befreit. Zugleich wird die Beschneidung als eine Vorbedingung für "echte" Weiblichkeit erklärt; nur eine beschnittene Frau ist eine "richtige" Frau. Diese Verbindung der Beschneidung mit der Geschlechtsidentität ist einer der wichtigsten Faktoren für das dauerhafte Bestehen der Beschneidungspraxis."
(Quelle unbekannt)

c. Auswirkungen der Ungleichberechtigung

[x1.1x] Nicht zu vergessen sind Abhängigkeit und Isolation. Durch die wirtschaftliche Abhängigkeit der Frau vom Mann, was dadurch um so mehr begünstigt wird, je mehr die Frau auf seine Hilfe angewiesen ist, also ihr der eigenständige Zugang zu Überlebensressourcen und gesellschaftlichem Status verwehrt wird, wird sie gezwungen, sich ihm gegebenenfalls unterzuordenen, da sie ohne ihn nicht oder nur schwer für sich und ihre Kinder sorgen kann. Abhängigkeit stabilisiert Machtverhältnisse. Die Isolation von Frauen in den privaten Raum verhindert, dass sie sich andere Möglichkeiten suchen kann (z.B. anderer Mann, siehe aktuelle Scheidungsrate) oder sich zu sehr mit anderen Frauen zusammenrotten kann, um eine starke Solidargemeinschaft zu bilden, die eine vereinte Kraft zum Aufbegehren und Rebellieren bilden könnte. (Viele Männer schätzen die Freundinnen der Frau, weil diese sie ja angeblich nur gegen ihn "aufhetzen", überhaupt nicht). Die Verdrängung der Frau in die Privatsphäre ist keine Unterdrückung in dem Sinne. Da die Frau aber bis zum 19 J.H. gleichfalls produktiv tätig war und nicht nur reproduktiv, führt es zur Verschiebung der Frau aus dem öffentlichem Bereich und erschwert damit ihr Mitwirken an entscheidenden öffentlichen, gesellschaftlichen Prozessen, schon allein dadurch, dass ihr die Kompetenz für die öffentlichen Entscheidungsfragen, aufgrund fehlender Erfahrung mit der "Außenwelt", und verwehrten Bildungschancen und Berufserfahrung abgesprochen wird (Wie ernst nimmt man die Meinung einer Hausfrau zu politischen oder wirtschaftlichen Ereignissen?). Die öffentliche Wirtschaft regiert vornehmlich, beschränkt durch politische Gesetzgebung ("soziale Marktwirtschaft" genannt), die gesellschaftliche Entwicklung und wer an ihr nicht teilnimmt, weil er ins Private verbannt ist, kann auch nicht eigenständig Einfluß üben, indem er eine Machtposition an den gesellschaftsbildenden Schaltstellen einnimmt, wo Status (Wirtschaftsmacht) mit Entscheidungsbefugnis einhergeht. Hausfrauen werden in der Politik nur berücksichtigt, weil sie wählen dürfen, wobei wohl jeder weiß, dass Wählen allein noch keine große Entscheidungsmacht darstellt.
Für die Entwicklung der Menschheit wäre es absolut von Vorteil, wenn man der Frau ihre "female choice" zugesteht und zwar unter möglichst günstigen Umweltbedingungen, damit sie möglichst frei wählen kann und letztendlich damit zu veränderten Umweltbedingungen beitragen kann, die über eine höhere soziale Verantwortung, den Schutz der Nachkommen begünstigt und soziales Verhalten wieder zu einem Wert jenseits von Almosen macht.

d. evolutionäres Dilemma

Auch wenn sich das männliche und weibliche Prinzip im Grunde ergänzen und der Mensch nur in Form eines zweigeschlechtlichen Wesens existiert, herrscht zwischen Männern und Frauen ein Geschlechterkampf, vielleicht schon ewig, aber jedenfalls nachweislich seit mehreren tausend Jahren. Wenn prinzipiell für die Vermehrungsrate nur ein Mann für angenommen 50 Frauen ausreicht, warum ist das Verhältnis dann trotzdem 1:1 ? Das erhöht die Auswahl um das fünfzigfache und stabilisiert das Gleichgewicht, was wiederum einen Selektionsvorteil bedeutet. Gleichsam hat es eine positive Auswirkung auf die elterliche Brutpflege, an der mindestens jeweils zwei Individuen, Mutter und Vater, ihren Anteil haben können und so die Überlebenschancen der Nachkommen verbessert werden.
Betrachtet man die Konsequenzen für den Mann, wenn die Frau die größere Macht hat und ihrer female choice ungehindert nachgehen kann, könnte man das Dilemma der Männerherrschaft auch aus einer anderen Perspektive betrachten. Die Männer befinden sich evolutionär gesehen in der viel schlechteren Situation. Während die Frauen den Luxus der Qual der Wahl haben, ohne dass sie dabei unbedingt gegeneinander konkurrieren müssen, denn es ist fünfzigfach genug Samenmaterial für alle Frauen vorhanden und Brutpflege läßt sich besser in Kooperation bewerkstelligen, rangeln die Männer um die vordersten Plätze im Auswahlpool und die Frauen können das Verhalten der Männer dirigieren, indem die Männer sich, damit sie erwählt werden, auf die Vorlieben der Frauen anpassen müssen. Die Männerherrschaft führt hingegen dazu, dass nicht die Frau die freie Wahl hat, sondern der Mann, der sie von sich abhängig macht und so ihre Wahl stark beeinflußt oder ihr gar eine Entscheidung aufzwingt. Gibt sich jeder Mann aber nicht mit einer Frau zufrieden, denn er könnte ja viel mehr Frauen mit seinen Genen bestücken, wenn er andere Männer davon abhält, bleibt der Konkurrenzkampf unter den Männer trotzdem vorhanden. Es läuft mitunter völlig unabhängig von jeglichen Einwirkungsmöglichkeiten der Frauen, die dem Mann, der im Konkurrenzkampf die Macht errungen hat, einfach zugeteilt wird.
Andere Arten gehen mit ihrem männlichen Auswahlpool sehr rigoros um. Hat die Drohne ihre Schuldigkeit getan, muss sie sterben, denn sie lebt nur für diese einmalige Aufgabe, ihre Gene zu verschenken. Die schwarze Witwe verspeist ihren Begatter gar anschließend. Er "darf" noch zusätzlich als Nahrung dienen. Bei komplexeren Lebewesen überlebt das Männchen für mehrere Jahrgänge und kann eine zusätzliche soziale Funktion erfüllen, die Mithilfe zum Schutz und zur Brutpflege, als zusätzliche Absicherung (Doppelschutz). Bei günstigen Umweltbedingungen ist diese Aufgabe aber nicht einmal unbedingt nötig. Die Männchen prügeln sich um die Gunst der Weibchen, was für die Arterhaltung eine Vorauswahl der "stärksten" Männer erzeugt, aber je nach Umweltbedingungen, wenn z.B. die körperliche Stärke gar nicht wichtig ist, überflüssig ist. Es verbessert die Genentwicklung und Brutpflegebedingungen, aber wenn letztendlich die Frau wählt, kann ihre Wahl auch auf den Verlierer eines Kampfes der Männer treffen, der vielleicht andere Vorzüge hat, weil er z.B. ein fürsorglicher Vatertyp ist. (Was nützt der Frau ein starker Mann, wenn er sich aus dem Staub macht). Man könnte sagen, dass die Männer unter sich vorwiegend die beste Grundpotenz herausselektieren, die Frauen aber verstärkt die Auswahl nach Nützlichkeit bezüglich der Umweltbedingungen treffen. Er regelt die Vorauswahl, sie die Feinauswahl. Das männliche Prinzip ist also eine Qualitätsverbesserung, aber dazu verdammt, sich seinen Wert im Gerangel gegeneinander zu erkämpfen und gleichzeitig auf die Gunst der Auswahl der Frauen angewiesen zu sein. Es schwankt auf einem schmalen Grad zwischen Verbesserung (Gene und Brutpflege) und überflüssig (die Gene eines einzelnen Mannes) und rutscht nicht selten geradezu in die Schädlichkeit ab (Machtkampf, der für alle Schaden anrichtet). Bei vielen Tierarten, die in Horden oder Rudeln leben, hat sich das Patriarchat als funktionstüchtigste Gesellschafts- und Genverbreitungsstrategie durchgesetzt, aber nicht bei allen. mehr

"So gibt es Tierarten, die unter extremen Bedingungen die Zahl der Männchen reduzieren (Philippe Ariès u. a., Die Masken des Begehrens und die Metamorphosen der Sinnlichkeit, Frankfurt 1986, S. 17), weil ein paar von ihnen zum Überleben der Art reichen. Ein umgekehrtes Verhalten, die Tötung junger Weibchen, kennt nur das Säugetier Mensch."

Warum dann ein Verhältnis von Männern und Frauen von c.a. 1:1?
"Die 50/50-Mutter hat mehr Enkelinnen als die 75/25-Mutter. Das Merkmal, dreimal soviel Töchter wie Söhne auf die Welt zu bringen ist nicht evolutionär stabil. In einer Population, in der ein Übergewicht eines Geschlechts existiert, hat das Merkmal, mehr Nachkommen des anderen Geschlechts hervorzubringen einen Selektionsvorteil. Nur 50/50 ist evolutionär stabil! "

Wenn das Gerangel der Männer nämlich nicht dazu führt, das für die Umweltbedingungen tatsächlich "Beste" zu selektieren, ist die Auswahl der Frau immer noch die bessere Wahlmethode und ein unnützer Konkurrenzkampf zieht nicht selten die in Mitleidenschaft, die es eigentlich zu schützen gilt und wird schädlich. Eine jede Frau hat ihre Existenzberechtigung für die Arterhaltung gesichert, denn für diese bedeutet jeder Verlust einer Frau eine Absenkung der Geburtenrate. Der einzelne Mann muss seine Bedeutung als guter "Genspender" und Partner erst im Konkurrenzkampf gegen andere Männer beweisen. Der Selektionsvorteil durch zweigeschlechtliche Vermehrung mit seinen überdimensionierten Auswahlmöglichkeiten macht ein Lebewesen komplexer, aber verursacht damit gleichzeitig eine sensiblere Stabilität. Das Gleichgewicht gerät leicht ins Schwanken, denn das männliche Prinzip balanciert ständig zwischen Verbesserung durch Gendurchmischung und Doppelschutz (Brutpflegemithilfe) und der Gefahr der Zerstörung durch Konkurrenz und Machtkampf. Einerseits muss der Mann sich als potenter "Samenspender" erweisen, andererseits als fürsorglicher Beschützer, was sich nicht selten widerspricht. Ähnlich wie auch die menschliche Denkfähigkeit, Flexibilität und damit Befähigung zur Kultur ein mächtiger Überlebens- und Überlegenheitsvorteil des Menschen ist, so ist sie auch sein größtes Verhängnis. Kein Lebewesen rottet so geplant und systematisch die eigenen Artgenossen aus, indem der menschliche Geist Massenvernichtungswaffen entwickelt. Gleichzeitig sind wir wohl aber auch die einzige Art, deren soziale Intelligenz eine Ethik entwickelt, die auch nicht überlebensfähigen Artgenossen (Kranke, Behinderte), ein geschütztes, umkümmertes Überleben gewährt. Es macht den Menschen gleichsam so mächtig wie sensibel.

"...Exzesse wie das Töten der Kinder und der Männchen des überfallenen Stammes und das Verschleppen und Vergewaltigen der Weibchen dieses Stammes gehören zu diesen Affenkriegen einfach dazu. Läßt man den Blick nach Bosnien/Serbien oder in bestimmte Teile Afrikas schwenken und vergegenwärtigt man sich die Untaten aus vielen menschlichen Kriegen der Vergangenheit, muß man zu dem Schluß gelangen, daß die analogen Taten des Menschen nicht aus zufälliger Grausamkeit erfolgen, sondern aus unbewußtem genetisch gesteuertem Kalkül: Der Kampf um Ressourcen. Von den Affen unterschieden wie uns nur in der Raffinesse unserer Vernichtungsinstrumente und der Größe und Organisiertheit unserer Horden....Im Computersimulationen läßt sich sehr einfach zeigen, daß Lebensformen mit teilweise genetisch festgelegten Verhaltensweisen völlig freien und auch völlig determinierten Lebensformen gegenüber einen massiven Überlebensvorteil haben, da überlebenswichtige Verhaltensformen genetisch erzwungen werden, die ein völlig freier Wille nur "stören" könnte. Es zeigt sich, daß der richtige Mix aus kultureller Prägung, genetischer Prädisposition, freier Wahl und pränataler Prägung (d.h. im Mutterleib) zu einer optimalen Überlebenstauglichkeit führt und was der "richtige Mix" ist, entscheidet der Selektionsdruck der Umwelt, die ja auch aus konkurrierenden Artgenossen besteht...." mehr

e. Schlußwort

Männer und Frauen brauchen sich. Nicht nur das. Sie ziehen sich gegenseitig an. Ihre Genverteilungsstrategien sind aber verschieden, was zu Konflikten führen kann, aber sicher auch eine Komponente des Reizes ist, den die Andersartigkeit des anderen Geschlechts ausmacht. Sex ist keine Pflichtübung, sondern eine Lust, welche die Nähe zum anderen Geschlecht (oder auch zum gleichen) gerne sucht. Hier sollte noch angemerkt werden, dass man sexuelle Freiheit klar von jeglichen Zwangsmaßnahmen oder Entwürdigungen trennen muss. Beruht der Sex ohne Bidung auf gegenseitige Freiwilligkeit, auch gegen Bezahlung, aber ohne jegliche Zwangslage, dann hat niemand das Recht, sich moralisch einzumischen. Verwerflich ist nicht die sexuelle Komponente an Vergewaltigung, Prostitution, Pornographie oder gar Pädophilie, sondern der Zwang, die Gewalt, das manipulative Ausnutzen einer Machtposition und die Erniedrigung oder Entwürdigung, die sich z.B. in der Einseitigkeit von selbstbestimmt wollendem Lustsubjekt zu warenartigem Lustobjekt wiederspiegelt. Das bedeutet keine grundsätzliche Ablehnung von sexuellen Darstellungen. Auch wenn Sex zum reinen Konsumgebot wird, dem man sich stellt, obwohl man sich eigentlich nach intimer Bindung sehnt , hat das nichts mit sexueller Freiheit zutun. Sexualität hat nämlich auch eine soziale Komponente und kann daher nicht rein auf das Körperliche reduziert werden (siehe Bindungshormone), wobei die Sympathy für einen Fremden aber schon mitunter ausreichen kann, um die natürliche Distanz zu überwinden und ein zumindest abgeschwächtes aber ausreichendes Gefühl von Nähe zu erzeugen. Beide, Mann und Frau, sind angeborene Gemeinschaftswesen. Menschen brauchen sich auch emotional, um sich geborgen und anerkannt zu fühlen und ihre eigene Identität im Vergleich und Miteinander mit anderen Menschen zu finden, nicht zu vergessen, das sie voneinander lernen. Das macht es nötig, sich über gesellschaftliche Regeln auf einen funktionierenden Weg zu einigen, der leider oft dazu führt, daß nicht alle Menschen einer Gesellschaft frei und gerecht behandelt werden. Weder gerecht zwischen Mann und Frau, noch untereinander. Soziale Intelligenz und Flexibilität des Menschen sind eine große Chance, das menschliche Zusammenleben, jenseits von egoistischen, biologisch begründeten Motiven, positiv zu gestalten und auch ein gleichberechtigtes Zusammenleben von Mann und Frau zu erreichen.


10 Allgemeine Zusammenfassung [x1.1x]

a. Modell:

Was beeinflußt das menschliche Verhalten?

1. Die geerbten Anlagen. Das sind Äußerlichkeiten, Talente (Begabungen), aber auch Eigenschaften wie z.B. Temperament oder auch die Grundenergie für Durchsetzungskraft. Diese Eigenschaften sind so aber noch keine richtigen Charaktereigenschaften, die man bewerten könnte, sondern eben nur Eigenschaften, die neutral sind und erst durch Erlerntes ausgeformt werden und von der Gesellschaft bewertet werden. Zu diesen Eigenschaften gehören auch die biologischen Prinzipien (egoistisches Gen)

"...Auch Crow freilich kann Statistiken nicht immer widerstehen, wenn er für seinen Kurs eines "biologische-Rassen-existieren-aber" wirbt. Er erinnert daran, dass Angehörige mancher Ethnien in einigen Bereichen konstant besser abschneiden als in anderen. So erwähnt er die Dominanz afroamerikanischer Sportler in der olympischen Leichtathletik und die statistische Überrepräsentation von asiatisch-stämmigen Amerikanern an den kalifornischen Eliteuniversitäten. Crow erklärt sich diese Phänomene bio-statistisch: Ein leicht überdurchschnittlicher IQ (bzw. körperliche Veranlagung für Laufsportarten), der im Alltag absolut nicht auffällt, führt, wenn an Eliteuniversitäten (oder bei olympischen Spielen) die "Besten" selektioniert werden, zu einer Verschiebung der prozentualen Anteile in Richtung der durchschnittlich geringfügig höher Begabten. Genetische Rassenunterschiede, so folgert Crow, existieren, werden aber nur in Ausnahmefällen (Eliteuniversität, Olympia) relevant und können daher nicht als genetische Rechtfertigungen für Rassismus heran gezogen werden..." (http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/lis/13689/1.html)

2. natürliche Umweltbedingungen: Nordpol, Insel, Wüste, oder Regenwald machen natürlich einen Unterschied darin, wie sich ein Mensch anpassen muss. Manche Umweltbedingungen sind unwirtlicher und die Ressourcen sind knapper oder die Umgebung ist sogar gefährlich.
3. künstliche Umweltbedingungen, oder Kultur: Die werden ja zu einem großen Teil nicht von den jetzt lebenden Menschen gaschaffen, sondern sind Vorgaben von vorherigen Generationen und geben Vorstellungen, Wissen und Ethik vor, die sich nicht selten über Jahrtausende halten. Auch jede einzelne Familie oder Sippe(oder sonstige Teilgruppen der Gesellschaft) haben ihre eigene Tradition.
4. Die anderen Menschen, die Gesellschaft der jetzt lebenden Mensche, Sozialisation. Menschen lernen voneinander und beeinflussen sich gegenseitig.
5. Die "Unbekannten". Die ergeben sich daraus, dass der Mensch imaginieren und damit in die Zukunft planen kann. Er handelt also oft aufgrund von Vermutungen und Thesen darüber, was er in der Zukunft zu erwarten glaubt. Auch die Wissenschaft hat noch viele Unbekannte, was auch für die heutige Beurteilung unserer Geschichte gilt. Da es etwas verunsichernd ist, mit Unbekannten zu leben, gibt es Placebos, Platzhalter für Unerklärliches. Das können Prognosen und Thesen sein, aber auch mythische Elemente, wie Religion. Hierbei ist anzumerken, dass auch die Wissenschaft nicht selten auf nicht bewiesenen Annahmen aufbaut oder wichtige Komponenten nicht berücksichtigt, sodaß Glaube und Wissenschaft nicht so weit auseinanderliegen, wie man meint. Wissenschaft wird damit oft ebenfalls zum Placebo für Unerklärliches.
6. Eigenes Nachdenken und freier Wille (wenn man diesen für existent hält) , Kreativität

Die Faktoren beeinflussen einen Menschen nicht einseitig, sondern es wird interagiert b.z.w. verhandelt. Was aus einem Menschen wird, ist vom Erfolg dieser Verhandlungen abhängig. Er wird mit bestimmten Eigenschaften geboren und andere Menschen, die auch wieder angeborene Eigenschaften haben, reagieren auf ihn. Er reagiert widerum auf die anderen, sodaß sich ein wechselseitiger Entwicklungsprozess ergibt. Er lernt durch Nachahmung aus der Kultur, aber bildet sich auch seine eigene Meinung zur Kultur. Dieser wechselseitige Prozess ist immerwährend. Erfolg bedeutet, dass der Mensch einen Weg gefunden hat, seine Bedürfnisse und Eigenschaften in Akzeptanz seiner Umwelt möglichst durchzusetzen. Mißerfolg bedeutet, dass er entweder an der Akzeptanz der Umwelt gescheitert ist, oder seine eigenen Bedürfnisse zum Zwecke der Anpassung zu sehr zurückgeschraubt hat. In gar nicht mal seltenen Fällen, durch plötzliche Ereignisse oder langsame Entwicklungsprozesse, kann sich das Blatt jederzeit wenden. Der vormals erfolgreiche Manager findet sich nach negativen Schiksalsschlägen oder auch eigenen Handlungsfehlern oder dem Einwirken von anderen Menschen als Landstreicher unter der Brücke wieder.

"Eine Ursache dafür ist, dass Eltern ihre Kinder unterschiedlich behandeln. Selbst wenn sie es wollten, könnten sie gar nicht anders, da Kinder von Geburt an verschieden seien, erklärt der Jenaer Zwillingsforscher Rainer Riemann: "Erziehung bedeutet schließlich nicht, dass ich mich hinsetze und ein Konzept mache und es dann durchziehe. Erziehung ist immer auch ein Reagieren auf die Eigenart der Kinder."So wächst zwischen jedem Elternteil und jedem Kind eine einzigartige, nicht vorhersagbare Beziehung. Ein Vater spielt vielleicht am liebsten mit seiner fröhlichen, pflegeleichten Tochter. Einen anderen fordern gerade die Eigenheiten eines von seinen Anlagen her verletzlichen, wenig anpassungsfähigen Sohnes zu besonderer Fürsorge heraus...Bei der Erziehung stoßen Eltern oft an die Grenzen der eigenen Möglichkeiten - und fragen sich dann, wie auch Psychologen, die das Miteinander in Familien analysieren: Wer prägt hier eigentlich wen? ...Das neue Modell ist sehr viel schwerer zu durchschauen als das traditionelle Deutungsmuster. Doch es hat den Vorteil, dass es die Menschen nicht auf einmal entwickelte Lebensstrategien festlegt, sondern ihnen prinzipiell zugesteht, sich aus noch so komplizierten Verstrickungen lösen zu können...."Auch eine objektiv gleiche Umwelt wird von verschiedenen Kindern unterschiedlich verarbeitet", sagt Jens Asendorpf. Wie Jungen und Mädchen die Gegebenheiten in ihrer Familie wahrnehmen, hänge von ihrem Alter ab, der genetischen Ausstattung und der zuvor entwickelten Persönlichkeit...Kinder wie Erwachsene wählen sich ihre Umwelt so weit wie möglich selbst aus. Sie gestalten sie dann ihrer Eigenart entsprechend. Folglich haben sie erheblichen Einfluss darauf, was sie formt und was nicht...Eltern, so Jens Asendorpf, müssen akzeptieren, dass sie ihr Kind nicht auf direktem Wege ("Na, komm schon, spiel doch einfach mit") ändern können. Ihnen bleibt nur, zu versuchen, die Umwelt so weit wie möglich an das Kind anzupassen, ihm Angebote zu machen."

1. Die meisten Dinge werden "unbewußt" verhandelt (über gegenseitige unbewußte Beeinflussung jeder Art), weil das Bewußtsein von seiner Kapazität dafür gar nicht ausreicht.
2. Die Verhandlung besteht aus Anpassung und Abgrenzung: Anpassung durch Nachahmung ist nützlich, weil man von den Erfahrungen seiner Vorfahren und Mitmenschen profitiert und Anpassung für Kooperation nötig ist. Abgrenzung ist wichtig, weil man bei den "Verhandlungen" möglichst gut abschneiden möchte, um seine eigenen Eigenarten, Bedürfnisse und Ziele durchzusetzen und daraus seine eigene Identität zu entwickeln. An dieser Stelle wirken sich auch die eigenen kognitiven Leistungen und ein "freier Wille" (ob es ihn tatsächlich gibt, oder wir ihn nur als solchen empfinden, sei hier dahingestellt) aus. Selbständigkeitsentwicklung impliziert immer den Erwerb sowohl von Selbstkompetenz als auch von Sozialkompetenz.
3. In der Kindheit wird besonders viel "ausgehandelt", aber der Prozess dauert ein Leben lang. ("Ein Wissenschaftlerteam hat kürzlich die Ergebnisse von 152 solcher Untersuchungen zusammengefasst, an denen insgesamt mehr als 35.000 Personen beteiligt waren. Ergebnis: Die Persönlichkeit ist die ganze Kindheit und Jugendzeit hindurch in Bewegung. Erst danach verfestigt sie sich allmählich. Doch selbst im höheren Erwachsenenalter sind noch Umbrüche möglich.") Wenn man ein Testament schreibt, dann verhandelt man sogar postmortem.
4.
Um ständiges Verhandeln zu vermeiden, was viel zu aufwendig wäre, werden Verträge abgeschlossen, Gesetze erlassen und Moralvorstellungen, sowie Gewohnheiten und Rituale etabliert, an die der Mensch geboten wird, sich daran zu halten. Für verschiedene Individuen und gesellschaftliche Gruppen gelten meistens gemeinsame aber auch unterschiedliche Regeln.
5. Genauso wie es auch eine Entscheidung ist, sich nicht zu entscheiden, werden die meisten Dinge, die einen Menschen betreffen nicht von ihm selber verhandelt. Die Kultur macht schon viele Vorgaben oder die Mitmenschen z.B. die Eltern, wobei aber begrenzt die Möglichkeit besteht, sich nicht an schon vorgegeben Richtlinien zu halten, sondern neue auszuhandeln. Politiker handeln politische Dinge aus, die die ganze Nation betreffen und verfügen nicht selten ohne Einwilligung des Einzelnen über ihre Bevölkerung. Nichtverhandeln gehört also dazu. Nichtverhandeln ist auch verhandeln, indem man stillschweigend akzeptiert b.z.w. hinnimmt und dieses Nichtverhandeln nimmt wahrscheinlich einen sehr großen Teil ein. Man kann aber auch gewollt die Entscheidungen in die Verantwortung eines anderen geben (z.B. sich durch einen Anwalt vertreten lassen).

Das neugeborene Baby schreit, wenn es hungrig ist. Dabei nimmt es keinerlei Rücksicht darauf, ob es den Schlaf der Eltern stört. Erst durch die Interaktion mit den Mitmenschen lernt es langsam, welche seiner Verhaltensweisen und Eigenschaften als positiv oder negativ bewertet werden. Es wird für sein Verhalten belohnt, bekommt Anerkennung oder wird bestraft und erntet Mißachtung. Da jeder Mensch ein angeborenes Bedürfnis nach Nähe zu anderen Menschen und deren Anerkennung hat, wird sich das kleine Menschenkind an die Gebote seiner Umwelt anpassen. Gleichzeitig versucht es aber auch immer wieder, seine Eigenarten durchzusetzen und seine Bedürfnisse auch gegen die Bewertung der Umwelt zu befriedigen. Ein Mensch ist keine Marionette. Das Kind und auch später noch, wenn es erwachsen ist, verhandelt also mit seinen Mitmenschen.

Natürlich spielt hier auch die Anpassung an die Umwelt eine große Rolle. Wächst ein Mensch in einer landschaftlichen Dürre oder üppiger Vegetation auf, ist seine Umwelt sicher oder lebt er z.B. am Fuße eines Vulkans.
Die Kultur, die abstrakt betrachtet auch mit der Natur verhandelt (bei Klimakatasthrophen oder Lawinenunglücken sagt man nicht selten: "Die Natur wehrt sich") gibt z.B Vorgaben darüber, ob man in einer reichen Industrienation aufwächst oder in einem armen Entwicklungsland, wobei auch jede Familie ihre eigene Traditon mibringt. Sie kann seit Generationen wohlhabend und mächtig sein oder arm und machtlos. Die Kultur bestimmt außerdem einen großen Teil der moralischen Regeln, Denkweisen und Gewohnheiten. Inwieweit sich jemand auf die Unbekannten einläßt, hängt auch von seiner Risikofreude ab. Zukunftsprognosen, Wünsche und Idealvorstellungen bestimmen keinen geringen Teil des Lebens mit.
Die Unzulänglichkeit, aber auch selbstgewollte Möglichkeit, vor allem moralische Verantwortung an andere Personen oder Organisationen abgeben zu können oder müssen, spielt eine sehr wichtige Rolle und wird später noch näher ausgeführt.

 

b. Konkurrenz und Kooperation [x1.1x]

In der Robotertechnik wurden bereits Experiment gemacht, in denen Gruppenverhalten überprüft wurde. Tatsächlich neigen die Roboter, bei entsprechenden Fähigkeiten aus strategischen "Erwägungen" heraus dazu, Kooperationen zu bilden. Dazu braucht es also nicht unbedingt Moral.

Konstruieren wir nun eine Situation mit Robotern (Bionics) mit KI:

Wir haben zwei Sorten von Robotern A und B. Beide benötigen Energie und dafür sind ein paar (aber eher zu wenige) Energiequellen vorhanden, die sie anzapfen können. Hier könnte man weniger effektive Quelle schaffen, an denen nur ein Roboter "tanken" kann und Quellen bei denen mehrer tanken können, wobei sich die Menge für jeden Einzelnen bei steigender Anzahl der gleichzeitig tankenden Roboter erhöht. Beide können ihre Energie auf Turbo stellen, was ihnen mehr Kraft verleiht, aber Gruppe B hat insgesamt weniger Kraftpotential und weniger Turboleistung als A. Der Turbogang benötigt besonders viel Energie.
Beide Sorten haben Bausteine, die, wenn sie sich verbinden, neue Roboter erschaffen können. A hat davon 100 und nockt sie an die von B an. B hat nur 20 und wenn sich ein Baustein von A an B annockt, entzieht der Prozess der Vereinigung B Energie. Es dauert eine Weile bis der Vereinigungsprozess abgeschlossen ist und wenn die verbundenen Bausteine, die, wenn die Verbindung aktiviert wird, nur locker angebracht sind, frühzeitig abfallen, dann entwickeln sie sich nicht zu Ende (keine Energie), sondern werden zu Schrott. Der Akt des Annockens verbraucht so viel Energie, dass zwischen jedem zuvor Energie getankt werden muss, damit Bewegung ins Spiel kommt. Von den 100 Bauteilen eines jeden Roboters der Gruppe A sind immer einige defekt. Die Roboter unterscheiden sich in der Menge der defekten Bausteile. Sie selber können die defekten Bauteile nicht sehen, aber B kann sie sehen. Die mögliche Höchstanzahl der neuen Roboter wird durch die Menge der Bauteile von B begrenzt. Die Roboter können sich miteinander verbinden und so ihre Energie effektiver nutzen. Sie können sich auch gegenseitig zerstören.
Ziel eines jeden Roboters ist es nun, seinen Bauteilen möglichst dazu zu verhelfen, einen neuen funktionstüchtigen Roboter zu erzeugen. Diese Ziel impliziert natürlich, dass er sich selber mit der nötigen Energie versorgt.

Hier könnte man nun aufgrund strategischer Überlegungen mutmaßen: B muss darauf achten, dass er sich möglichst mit Robotern von A verbindet, bei denen wenig defekte Bausteile vorhanden sind, denn B muss mit seinen 10 Bauteilen haushalten. Es könnte ein Gerangel der B Gruppe um die Mitglieder von A mit den meisten intakten Bausteinen geben. Beide A und B könnten darauf achten, dass die Bauteile während des Verbindungsprozesses geschützt sind, aber besonders B wegen der geringeren vorhandenen Menge an Bauteilen. A könnte in der Entwicklungszeit B beim Gerangel um die Energiereserven unterstützen. A könnte aber auch die Strategie einer möglichst hohen Absatzmenge verfolgen, ohne auf die Entwicklung der schon angenockten Bauteile zu achten und seine A-Konkurrenten möglichst zu zerstören versuchen. Es könnte ein Gerangel um die Energiequellen entstehen, aber auch eine Kooperation. u.s.w.
Die Frage ist nun, wo bilden sich Kooperationen und wo wird hart gekämpft. Sicher bietet sich für Gruppe A eine andere Strategie an, als für Gruppe B.

Hier geht es um ein Experiment, was die Grundprinzipien des Überlebens beinhaltet: Genweitergabe und eigenes Überleben. Dabei geht es aber rein um Strategie, denn Roboter haben keine Gefühle und keine Moral. Menschen haben aber Mitgefühl und Moral. Es fragt sich also, inwieweit das strategische nicht moralisch bewertbare Verhalten der Roboter, sich auf den Menschen übertragen läßt, zumal es sich ja nur um eine Teilkomponente von 6 beeinflussenden Faktoren handelt. mehr

In den sechziger Jahren sorgte ein Experiment für große Aufregung. Die Frage, die der Sozialpsychologe Stanley Milgram beantworten wollte, bezog sich auf die Bereitschaft ganz normaler Menschen, sich einer Autorität zu beugen und offensichtlich "unmenschliche" Anordnungen zu befolgen. Die Motivation für diese Experimentalreihe lieferten die Ereignisse des 2. Weltkriegs. Wieso waren unter dem NS-Regime so viele Menschen bereit, sich in den Dienst der Tötungsmaschinerie der Nazis zu stellen? Lag es an einem grundsätzlichen Charakterfehler dieser Menschen oder gibt es Situationen und Umstände, unter denen möglicherweise jeder in der Lage wäre, andere Menschen zu quälen und zu töten? mehr
Die Ergebnisse waren erschreckend. Die meisten Experimentprobanten waren bereit, unter der Vorraussetzung, dass sie ihre moralische Verantwortung an eine höhere Autorität (die Versuchsleiter, also Wissenschaftler) abgaben, den (fingierten) Tod eines anderen Menschen nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern zu verursachen (für eine Entlohnung von ein paar wenigen Dollar). Bei den Versuchsteilnehmern handelte es sich nicht um die "Nazi-Bösemenschen", sondern um normale amerikanische Durchschnittsmenschen. Das war ein Schock.
Nehmen wir einen Soldaten, der auf Befehl (und dazu ist nicht einmal richtiger Zwang notwendig) andere Menschen, die er nicht kennt und die ihm nichts getan haben tötet. Er wird natürlich dahingehend manipuliert, dass er als "Gutmensch" gegen "Bösmenschen" handelt, oder sein eigenes Leben und das seiner Familie verteidigt, aber jeder weiß, dass es in den meisten Kriegen eigentlich um wirtschaftliche Motive oder Macht geht. Oft reicht auch die Begründung, den eigenen Lebensstandard zu erhalten, wobei von Lebensgefährdung gar nicht die Rede sein kann (Slogan aus der Antiirakkriegsbewegung: "Ich sterbe gern für billiges Öl") und die Begründung für Krieg als "Entweder wir, oder die anderen" reicht in den meisten Fällen zur überwiegenden Kriegsbereitschaft der Bevölkerung vollkommen aus. Die Kirchen haben Menschenverfolgung und Menschenvernichtung nicht nur unter den Nazis toleriert oder gar verursacht, nur um die Macht ihrer Organisation zu erhalten, oder anderen Menschen ihren Glauben (und damit auch Macht) aufzuzwingen. Die Kirche als Vereinigung, die sich als moralgebende Instanz einer Gesellschaft versteht und als internationale und große/mächtige Vereinigung, wäre nicht einmal ein großes Risiko eingegangen, wenn sie sich z.B. gegen die Nazis gewehrt hätten. Befreiungskriege und Verteidigungskriege werden in der Regel sogar moralisch positiv bewertet oder zumindest nicht verurteilt.

Manche Menschen sind schon bereit für ein paar Dollar (oder welche Währung auch immer) zu töten. Manche behaupten, es sei nur eine Frage des Preises (und der Notlage), um diese Bereitschaft in jedem zu wecken. Geht es um die Sicherung oder Verteidigung des eigenen Lebens und das der Familie, bekommt man (je nach näheren Umständen) von den meisten Gerichten Schuldfreiheit zugesprochen (Notwehr, Mundraub). In vielen Fabriken arbeiten normale Menschen an der Herstellung von Waffen wie z.B. Tellermienen, die anderenorts Kinder in der Luft zerfetzen, aber der einzelne Arbeiter wirft die Eigenverantwortung für den späteren Einsatz dieser Waffen weit von sich. Wir sind alle bereit, für die Sicherung unseres Wohlstandes, anderswo auf der Welt, Kinder verhungern zu lassen. Auch im eigenem Land fühlen wir uns nicht mit den Armen und Ausgegrenzten solidarisch (die haben eben im Konkurrenzkampf nicht genug geleistet und daher gilt ihre Situation als gerechtfertigt) Selbst unsere wissenschaftlichen Patente (zur Sicherung von Wirtschaftsmacht) haben Vorrang vor Tausenden, die daran sterben, nicht die notwendigen Medikamente zur Verfügung zu haben. Wer überprüft bei jedem Produkt, was er kauft, ob es nicht durch Kinderarbeit hergestellt wurde, oder Ausbeutung von Arbeitskraft jeglicher Art? Man verläßt sich darauf, dass der Hersteller die Verantwortung trägt, obwohl jeder weiß, dass man sich nicht darauf verlassen kann. Manche sind bereit für ihre Karriere (viel Geld und hoher gesellschaftlicher Status) über Leichen zu gehen und bei fast allen Menschen nehmen die moralischen Bedenken mit der Wahrscheinlichkeit des Erfolges ab. Die Sozialpsychologie bietet uns noch viele weitere Untersuchungen zur z.B. unterlassenen Hilfeleistung bei Autounfällen ( Die für ihr Verhalten nicht selten Gründe liefern wie:"Meine Sitzpolster werden vom Blut schmutzig!")
Viele Morde werden aus Eifersucht oder verschmähter Liebe begangen. In vielen Fällen geht es um Besitzanspruch. In vielen Ländern werden Frauen ohnehin als Besitz der Männer betrachtet und als verfügbarer Genpool und Brutkasten benutzt. So gut wie kein Bordellbesucher wird zuvor überprüfen, unter welchen gewaltsamen Umständen die Prostituierte an ihren Job gekommen ist oder in welcher Notlage sie sich befindet. Partner, die sich eigentlich lieben sollten, nutzen sich gegenseitig aus, verraten und betrügen sich.......(Wer Freunde hat, braucht keine Feinde). In jedem Krieg ist es üblich, dass der Sieger die Frauen des besiegten vergewaltigt. Es scheint so, als ginge es dabei um eine Invasion der Gene und es wäre verwunderlich, wenn viele Parallelen aus dem Tierreich (neues Alphamännchen tötet die Kinder seines Vorgängers u.s.w.) rein zufällig wären...........

Wo ist also die hochgelobte menschliche Moral. Man könnte tausende weitere Beispiele bennennen, wo ein Mensch die strategischen Erwägungen den moralischen vorzieht. Was auf dem ersten Blick so unmenschlich erscheint (der Vergleich mit den nur strategisch handelnden Robotern), stellt sich in Wahrheit als völlig normales menschliches Handeln heraus.
Moralische Vorstellungen, Mitgefühl und schlechtes Gewissen werden im Sozialisationsprozess gebildet. Das heißt nicht, dass der Mensch von Natur aus zunächst ein unmoralisches Wesen ist, sondern neutral. Ohne Sozialisation würden wir rein strategisch handeln, wie die Roboter. Da der Mensch aber von seiner Natur her ein Gemeinschaftswesen ist und ohne menschliche Zuwendung und Hilfe kaum existieren kann, kann die Frage, wie er denn ohne moralische Einflusse handeln würde, nur ein abstraktes Konstrukt sein. Dennoch gibt es genug Beispiele, wo die Strategie im Vordergrund steht und auf Moral verzichtet wird, oder moralisch anmutende Gründe für egoistisch strategisches Verhalten einfach nur vorgeschoben werden. (Es gilt in unseren Bewertungen: Terroristen üben "böse Gewalt" aus, "zivilisierte" Regierungen üben "gute Gewalt" aus. In Wahrheit töten sie aber beide gleichsam Unschuldige, denn der Tod kostet immer gleichfalls das Leben.)
Von ihrer Moral unterscheiden sich Männer und Frauen nur dann, wenn sie geschlechtsspeziefisch moralisch unterschiedlich erzogen werde. Die Bewertungen "gut" oder "böse" kann man nur auf moralische Begebenheiten anwenden. Männer und Frauen unterscheiden sich aber in ihrer Konstitution, Aufgaben und Möglichkeiten bezüglich des strategischen Handelns.
Auch beim männlichem und weiblichem Prinzip geht es nur um diesen strategisch motivierten Teil des menschlichen Handelns und dieser macht folgende Unterschiede zwischen Mann und Frau aus:

In einem körperlichen Konkurrenzkampf Mann gegen Frau, wäre die Frau meistens unterlegen. Es wäre also meist zu riskant für sie, sich überhaupt freiwillig darauf einzulassen. Sie wird also im Zweifel nachgeben müssen, weil sie weiß, dass der Kampf zu ihren Unmgunsten ausgehen würde. Hat sie auch noch Kinder bei sich, oder ist schwanger, dann gefährdet sie bei einem Konurrenzkampf nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Kinder (wobei sie ja mit der Anzahl der möglichen Nachkommen "haushalten" muss)
Sie kann auch nicht mehr Kinder bekommen, indem sie andere Frauen beseitigt, aber natürlich nützt ihr der Konkurrenzkampf gegen andere Frauen, wenn es um Nahrung oder die "besten" (Definitionsfrage und von Bedingungen abhängig) Männer geht. Das ist natürlich besonders dann nötig, wenn sie sich nicht selbst versorgen kann oder darf und ihr Leben von einem "starken" Mann abhängt. Kann sie sich selbständig versorgen und muss sich nicht gegen Eindringlinge verteidigen, dann braucht sie streng genommen, so wie es die Amazonen handhabten, nur einmal kurz einen Mann zur Befruchtung, während der Mann neun Monate warten muss (falls er das Kind als seinen Besitz betrachtet, muss er auch die Frau mit in Besitz nehmen). Der Mann, weil er in der Lage ist im Gegensatz zur Frau, sehr viele Kinder zu zeugen, könnte aber auch eine Quantitätsstrategie verfolgen. Möglichst viele Kinder zeugen, sie ihrem Schiksal überlassen, denn bei genügend hoher Anzahl ist die Wahrscheilichkeit, dass das eine oder andere Kind auch ohne seine Fürsorge überlebt, sehr wahrscheinlich. Möchte man die Geburtenrate einer Sippe erhalten, dann ist es wieder sinnvoll, dass die Männer den Konkurrenzkampf erledigen, denn der Verlust eines Mannes spielt für die Geburtenrate keine Rolle, der Verlust einer Frau schon. Der Mann hat beim Konkurrenzkampf auch den Vorteil, dass er körperlich stärker ist und mehr Energie in Form von Aggressivität freisetzen kann.
Männer eignen sich also einfach besser für Konkurrenzkampf, während das Risiko für Frauen zu hoch ist, sodass sie zwangsläufig (ob sie wollen oder nicht) eher auf Kooperation setzen müssen (eher heißt nicht immer und auch nicht grundsätzlich, sondern einfach nur mit höherer Wahrscheinlichkeit). Hier gehts nicht um "Gut" oder "Böse", sondern um nützliche Überlebensstrategien bezogen auf das eigene Leben und das der Nachkommen.
Für Frauen, die von Männern abhängig sind, ändert sich der Lebensstandard nur über den Mann. Sie werden ihn also, wenn die Gesellschaft konkurrenzbezogen ist, viel Energie dafür aufbringen, ihre Männer im Hinergrund anzufeuern und anzustacheln, weil sie nur so ihre eigenen Vorteile erreichen kann. Um die Frauen und Kinder nicht durch den Konkurrenzkampf zu gefärden, bleiben sie zu Hause und der Mann stürzt sich alleine ins Getümmel (z.B. der Wirtschaftswelt). So sind ihm Frau und Kinder auch nicht im Weg.

Nehmen wir eine Gesellschaft an, in der die Frauen gleichsam am öffentlichem und wirtschaftlichem Leben teilnehmen, dann sind Frauen und Kinder aber ständig dem Konkurrenzkampf im Weg. Also wäre es für eine Gesellschaft, in der Männer und Frauen gleichberechtigt beteiligt sind, nicht ratsam, zu viel Konkurrenz aufkommen zu lassen. Es bietet sich einfach (wenn die Umweltbedingungen es zulassen) mehr die Kooperation an bei der Abwägung von Nutzen und Risiko.
Nehmen wir eine Gesellschaft an, in der ein hierarchisches Konkurrenzsystem herrscht, dann werden einige Männer das Pech haben, dass sie von den Herrschenden in Kriegen verheizt werden, denn für das Fortbestehen der Sippe kann man, wie gesagt, auf die große Anzahl von Männern verzichten. Grund genug, dass ein Gerangel um die herrschende Position entsteht (denn wer will schon für die Macht eines anderen verheizt werden?).

Auch die weiteren Komponeten sprechen für diesen Unterschied der verschiedenen Strategien von Mann und Frau. Natürlich gilt für beide, dass schlechte Bedingungen (z. B. wenig vorhandene Nahrung oder Mittel zur Erfüllung anderer Grundbedürfnisse) ebenfalls zu Konkurrenz führen können und wenn es um eine Frage der Moral geht, gibt es zwischen Männern und Frauen keine "natürlichen" Unterschiede. Frauen profitieren einfach, ganz egoistisch betrachtet, mehr von Kooperation (geringe Geburtenrate, Qualitätsprinzip bei Auswahl nach Nützlichkeit für Umweltbedingungen, höhere Brutpflegeverantwortung für Nachkommen) und neigen deshalb dazu, soziale Netzwerke zu bilden (So kennt man aus dem Tuerreich reine Frauengesellschaften die nur zur Paarung mit den männlichen Einzelgängern zusammentreffen), passend dazu sind sie sprachlich gewandter und aggressiever im Manipulieren (soziale, intuitiv assoziative Intelligenz, Verbindung von Emotion und sachlichem Denken). Sie können auch Mimik und Gestik besser deuten und daher auch Manipulation besser durchschauen, wobei bei all diesen Unterschieden die erlernten Faktoren eine höhere Bedeutung haben, als die biologischen, falls diese dabei überhaupt eine maßgebliche Rolle spielen. Männer profitieren mehr von Konkurrenz als Frauen. (hohe Befruchtungsrate, Quantitätsprinzip bei Auswahl, Männerüberschuss bezüglich der Arterhaltung, Macht des Stärkeren, Schutz von Frau und Nachkommen) Passend dazu sind sie körperlich stärker und körperlich aggressiever (strategische, sachlich pragmatische Intelligenz, Trennung von Emotion und sachlichem Denken, die wichtig für die Vereinbarkeit von Kunkurrenz nach außen und Kooperation bezüglich der Familie ist).
Konkurrenz und Kooperation sind beide wichtig. Das männliche und weibliche Prinzip ergänzen sich, denn nicht selten ist es einfach für das Überleben nötig, auf die Kraft von Männern zurückzugreifen, von der dann auch die Frauen profitieren und um es noch einmal zu erwähnen, besagt es nur wenig darüber, inwieweit Männer und Frauen verstärkt eines der beiden Prinzipien verfolgen (Konkurrenz, Kooperation), da bei den biologischen Komponenten die Sozialisation völlig außer Acht gelassen wird und ebenfalls die Umweltbedingungen und kulturellen Voraussetzungen, sowie die "Unbekannten" (s.o.). Beispiele für konkurrenzbezogene Frauen gegenüber kooperativen Männern dürfte es genug geben. Dennoch ist man sich mittlerweile wohl darüber einig, dass Männer eher zu aggressivem Wettbewerbsverhalten, der sich durch Konkurrenz und Hierarchien ausdrückt, neigen (siehe auch Affinität zu Sportwettkämpfen und Wettkampfspielen. In radikalen Vereinigungen, z.B. rassistische Gruppierungen, finden sich als aktive Mitglieder meistens Männer, jedenfalls laut statistischen Untersuchungen). Wenn die Gesellschaft auf Konkurrenz aufbaut, scheinen aber nicht selten Frauen, vielleicht weil das geringere "Talent" für Konkurrenz sie besonders ehrgeizig macht, so manchen Mann zu übertreffen (z.B. Margret Thatcher, die aber wegen ihres Verhaltens auch sofort den Ruf als "Mannweib" zugewiesen bekam.)

Nimmt man nun zu den biologischen Prinzipien, die anderen fünf Bedingungen hinzu, die das menschliche Verhalten beeinflussen, dann kann sich daraus natürlich ein ganz anderes Bild ergeben, bis hin zu kriegerischen, gefühllosen, brutalen Frauen gegenüber sanftmütigen, humanen, friedlichen Männern. Dennoch gibt es immer wieder Verhaltensweisen, in denen die biologischen Prinzipien durchblicken. Emotionen und Vernunft, Sozialisation und Kultur schaffen aber Rituale, Regeln, Moralvorstellungen und Ideale, die es dem Menschen ergmöglichen, seine evolutionären Strategien zu überwinden und stattdessen Humanität und Gerechtigkeit walten zu lassen und zwar völlig unabhängig vom Geschlecht. Der Mensch kann sein Leben für andere opfern oder für das Ideal einer besseren Welt. Er kann willendlich verhungern, sich selbst richten, ein Leben in Enthaltsamkeit und Versagung der eigenen Bedürfnisse leben ect. Er kann also genauso gut, wenn er nur will, auch eine bessere Welt schaffen, in der das Prinzip der "Macht des Stärkeren" keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielt..

Im folgenden sollen nun die Vor und Nachteile von Gesellschaften die sich eher auf konkurrenzbezogene Hierarchien, verglichen mit denen, die sich eher nach dem Koopertationsprinzip ausrichten, behandelt werden. 2. Teil: Hierarchien und Netzwerke

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